Die Zeiten sind durchgerechnet, die Wellen stehen. Alles sauber abgestimmt auf jede mögliche Reaktion. Nachschub getimt, Reserve eingeplant, Schmiede aktiv. Jeder Ablauf sitzt. Denn der Kampf ist seine Stärke. Den Gegner lesen, Muster erkennen, die feindliche Flotte Schritt für Schritt auseinandernehmen. Der Angriff startet. Und der Gegner?

Der steht einfach da. Und gewinnt. Weil seine Upgrades besser sind. So ist schon nach Runde 1 klar: Alle Erfahrung, alle Taktik zählt nichts mehr. Die Bilanz kippt unweigerlich in Richtung des inaktiven Verteidigers. Und mit ihr schwinden Spaß und Motivation.

Du glaubst, diese Geschichte ist erfunden? Falsch. Sie ist absolut wahr.

Ein Jahr nach Einführung der unendlichen Upgrades ist genau das der Alltag geworden. Was früher durch Timing, Erfahrung und Spielverständnis entschieden wurde, wird heute zunehmend durch Upgrades bestimmt, die keiner erkennbaren Logik folgen.


Selbst gute und erfahrene Kämpfer haben es dadurch zunehmend schwer, gegen mittelmäßige Spieler mit solchen Vorteilen zu bestehen.

Rick Sanchez & Cleanyclean


Gut gemeint?

Als die unendlichen Upgrades eingeführt wurden, stand aus offizieller Sicht ein klares Ziel im Raum: Community Manager badidol erklärte auf Nachfrage, dass das Kampfsystem unter anderem zugänglicher gemacht werden sollte und Gameforge damit auch Spieler außerhalb der klassischen Hardcore-Kämpfer stärker erreichen wolle. Gleichzeitig seien die Änderungen Teil eines größeren Konzepts und sollten zukünftige Inhalte vorbereiten. Diese Zielsetzung wirkt auf den ersten Blick nachvollziehbar. Ein Kampfsystem, das mehr Spieler anspricht, könnte langfristig für mehr Aktivität sorgen.

In der Realität zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Die Einstiegshürde ins Kampfsystem ist nicht gesenkt, sondern massiv erhöht worden. Wer heute konkurrenzfähig kämpfen will, muss zunächst enorme Ressourcen in entscheidende Einheiten-Upgrades investieren. Ohne diese Grundlage fehlt oft die Möglichkeit, zentrale Mechaniken überhaupt sinnvoll zu nutzen.

Für Neulinge [...] wird es so nahezu unmöglich, mitzuhalten.

Glueckkaeferle (Discord: Espheni)


Wenn wenige Stufen alles entscheiden

Die wohl wichtigste Erkenntnis der letzten Monate ist, dass Kämpfe heute häufig an klaren Schwellenwerten hängen. Besonders deutlich wird das beispielsweise bei Gyrokoptern und Ballons. Bereits ein Vorsprung von vier bis fünf Angriffs-Upgrades bei Gyrokoptern reicht aus, um Ballons vollständig in einer Runde zu zerstören. Fehlt dieser Vorsprung, überleben mehrere Einheiten und halten gegnerische Mörser angreifbar.

Der entscheidende Punkt liegt nicht in der genauen Anzahl der überlebenden Ballons, sondern darin, ob überhaupt welche stehen bleiben. Diese Schwelle entscheidet darüber, ob eine zentrale Einheitengruppe im Kampf weiter existiert oder komplett verschwindet. Der Verlauf eines Kampfes wird damit nicht mehr schrittweise beeinflusst, sondern an einzelnen Punkten grundlegend zementiert.


Die Mauer verliert an Wert

Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung beim Spiel mit der Mauer. Dieses Element gehörte lange zu den anspruchsvollsten Mechaniken im Landkampf. Durch gezieltes Abziehen eigener Einheiten konnte ein Verteidiger die Mauer im richtigen Moment aktivieren und den Angreifer dazu zwingen, mit Mörsern zu arbeiten. Diese Mörser sind teuer und anfällig. Wurden sie durch gewellte Ballons kontinuierlich zerstört, entstanden hohe Verluste. Viele Angriffe wurden an diesem Punkt abgebrochen, weil sie sich wirtschaftlich nicht mehr gerechnet haben. Dieses Wechselspiel erforderte präzises Timing, Erfahrung und ein gutes Verständnis des Systems. Es war ein echtes Duell, bei dem beide Seiten aktiv Einfluss auf den Kampfverlauf nehmen konnten.

Heute hat dieses Prinzip massiv an Bedeutung verloren. Die Verteidigungs-Upgrades von Ballons sind deutlich teurer als die Angriffs-Upgrades von Gyrokoptern. Angreifer erreichen deshalb wesentlich leichter die nötigen Werte, um Ballons vollständig zu neutralisieren. Bomber als Einheit fallen faktisch bereits jetzt in vielen Fällen komplett weg, werden teils gar nicht mehr mit in den Krieg gebracht. Und ohne Ballons gibt es keine effektive Möglichkeit mehr, Mörser aufzuhalten. Die Mauer ist zwar weiterhin da, ihr taktischer Einfluss sinkt jedoch drastisch, weil die entscheidenden Einheiten ungestört arbeiten können. Das frühere Hin und Her zwischen Angreifer und Verteidiger wird dadurch stark reduziert. Ein dynamisches Element des Kampfsystems verliert grundlos seinen Platz.

Können und Erfahrung in der Kriegsführung spielen inzwischen absolut keine Rolle mehr. [...] ich bin sehr enttäuscht über die Entwick-lung, fühle mich verarscht [...].

Azrael


Auch auf See zeigt sich ein vergleichbares Muster. Wenige Upgrade-Stufen bei Ballonträgern können darüber entscheiden, ob sich Ping-Angriffe mit einem Rammschiff, 30 Schnellschauflern und 6 Ballonträgern als taktisches Element eines erfahrenen Spielers überhaupt noch lohnen. Oder ob das einst gefürchteste Element des Seekampfs völlig wirkungslos verpufft.

Vier Werte dominieren das System

Mit der Zeit hat sich klar herausgestellt, welche Upgrades tatsächlich relevant sind. Im Seekampf sind es vor allem der Angriff der Schnellschaufler und die Verteidigung der Ballonträger. Im Landkampf bestimmen der Angriff der Gyrokopter und die Verteidigung der Ballons den Verlauf eines Kampfes maßgeblicher, als beispielsweise Hopliten-Upgrades.

Die Ursache liegt in den Zahlen. Ein Schnellschaufler besitzt etwa 240 Angriff. Ein Upgrade erhöht diesen Wert um 10 Punkte und damit um mehr als vier Prozent. Ein Raketenschiff mit rund 7.600 Angriff profitiert vom gleichen Upgrade kaum messbar. Diese Unterschiede führen dazu, dass einige wenige Upgrades eine enorme Wirkung entfalten, während viele andere kaum Einfluss haben.


Millionen als Eintrittskarte

Die Kosten für relevante Upgrades haben inzwischen eine Größenordnung erreicht, die das Spiel direkt beeinflusst. Für unverzichtbare Flotten-Upgrades fallen rund 69 Millionen Kristall und 135 Millionen Gold an. Selbst reduzierte Varianten liegen noch bei etwa 21 Millionen Kristall und 40 Millionen Gold. Im Landkampf bewegen sich wichtige Kombinationen bei etwa 24 Millionen Kristall und 80 Millionen Gold. Und die Schwelle für das Mindestmaß steigt kontinuierlich. Wer sich diese Investitionen nicht leisten kann, startet mit einem klaren Nachteil, der sich durch kein Können ausgleichen lässt.


Hasta la Vista, Baby!

Etwa ein Jahr nach Einführung der unendlichen Upgrades zeigt sich ein klares Bild. Das Kampfsystem hat sich grundlegend verändert, denn wenige Schwellenwerte entscheiden über zentrale Mechaniken, einzelne Upgrades dominieren das Geschehen und hohe Investitionen bestimmen den Ausgang vieler Kämpfe. Mehr Zugänglichkeit? Fehlanzeige! 

Diese Entwicklung könnte das Kampfsystem nachhaltig beschädigen oder sogar vollständig zerstören.

Rick Sanchez & Cleanyclean


Unser Spieler aus der anfänglichen Anekdote hat im Kampf keinen Fehler gemacht. Im Gegenteil, er hat alles richtig gespielt. Der entscheidende Unterschied lag allein in seiner Erfinderwerkstatt – und in der seines Gegners.

Und genau deshalb steht das Kampfsystem für viele erfahrene Spieler an der Schwelle des Todes.

Hasta la vista.